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Virtuelle Sparpakete

Creditreform Unternehmermagazin

Neuss, 10.07.2010


Wer im IT-Bereich Kosten sparen will, sollte auf Virtualisierung setzen.

Einstiegslösungen sind sogar kostenfrei zu haben - und können für KMU völlig ausreichend sein.

Seit jeher suggeriert die Computerwelt Effizienz. Die Wirklichkeit indes sieht meist anders aus. Server-Software etwa verlangt exklusiv eine eigene Server-Umgebung für sich. Die Konsequenz: Server sind im Durchschnitt nur zu 30 Prozent ausgelastet, ermittelten die Analysten der Gartner Group.

Jahrelang war das kein Problem, denn die Hardware wurde in der Vergangenheit immer günstiger. Irgendwann jedoch wuchsen die zahlreichen Rechner den IT-Abteilungen in Sachen Platz sowie Wartung über den Kopf. Und in jüngster Zeit ist bei den Betriebskosten der Stromverbrauch in den Fokus geraten: Je mehr Server es gibt, desto mehr Energie wird verbraucht, vor allem für die Kühlung.

Doch Abhilfe gibt es bereits: die Virtualisierung. Vereinfacht gesagt geht es dabei um einen oder auch mehrere zusätzliche, virtuelle Computer auf einem vorhandenen Rechner. Technisch gesehen entkoppelt die Virtualisierung die Hardware von der Software. Damit ist es einer virtuellen Maschine im Grunde gleichgültig, auf welcher Hardware sie tatsächlich läuft, solange sie über die benötigten Ressourcen verfügt wie RAM-Speicher und Festplatte.

Erdacht wurde die Technik, um dem Problem der unzureichenden Server-Auslastung Herr zu werden. Virtualisierung gaukelt Server-Software vor, sie laufe alleine auf einem Server. Tatsächlich aber schafft sie Platz für weitere Software mitsamt allen benötigten Ressourcen. Statt also jede Server-Software auf einer eigenen Maschine laufen zu lassen, werden die vorhandenen mittels Virtualisierung effizienter genutzt. Server-Konsolidierung heißt das im IT-Deutsch. Und die wirkt sich auch auf die nachfolgenden Arbeiten wie die Wartung aus.

Die Virtualisierung gilt daher als Schlüsseltechnologie, um im IT-Bereich Kosten zu sparen. Doch sie spart nicht nur im Server-Bereich, sie hilft auch noch in einem weiteren Punkt: Neue Software lässt sich in einer virtuellen Umgebung zuvor unter nahezu realen Bedingungen testen – vor der Live-Schaltung lassen sich somit teure Fehler vermeiden. Denkt man an die Umstellung von Windows XP auf Windows 7, die in vielen Unternehmen derzeit ansteht, kann die Virtualisierungstechnik gerade recht kommen.
 

Der Markt boomt

Immer mehr Unternehmen nutzen die Technik. Die Virtualisierungsbranche boomt und die Anbieter der Lösungen verzeichnen Umsatzsteigerungen von mehr als 50 Prozent. So richtig gepusht hat die Virtualisierung das Cloud Computing. Die Technik sorgt hier für eine effiziente Auslastung der Mietserver in der Wolke, auf denen Unternehmen ihrer Applikation laufen lassen oder auf denen sie in einer virtuellen Hard- und Softwareumgebung eigene Applikationen entwickeln können. Die Virtualisierung gibt es schon länger als das Cloud Computing. Bei diesem Ansatz dient sie als zentrales Element. Die Virtualisierung lässt sich aber auch ohne eine übergeordnete Cloud-Strategie als Instrument nutzen, um im IT-Bereich Kosten zu sparen.

Unterstützt wird das durch Einstiegslösungen. Schon seit Jahren geben Softwarehersteller abgespeckte Virtualisierungspakete kostenfrei an Kunden ab. So etwa VMware mit dem Produkt ESXi, Microsoft mit Hyper-V, Citrix mit der XenServer genannten Virtualisierungslösung sowie Datenbankspezialist Oracle mit Oracle VM. Novell kooperiert im Bereich Virtualisierungssoftware mit Citrix und bietet ebenfalls die Software XenServer zum kostenlosen Download an. Eine kostenfreie Open-Source-Lösung speziell für Linux-Umgebungen kommt von Redhat.

Zwar sind die Einstiegslösungen funktional eingeschränkt und ermöglichen nicht alle Vorteile, die sich mit der Virtualisierung ergeben sollen. So fehlen etwa Funktionen für das Lastmanagement, die Ressourcenverteilung oder das Backup, die man gegen Gebühr nachrüsten muss. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen mit wenigen Servern können die vorhandenen Funktionen jedoch völlig ausreichend sein.

Alle Einstiegslösungen der Hersteller ermöglichen den Aufbau von Test- und Entwicklungsumgebungen für neue Software und lassen darüber hinaus das Konsolidieren kleinerer Serverfarmen zu. IT-Mannen, die in Sachen Virtualisierung keinerlei Erfahrung haben, ermöglichen die Pakete zudem einen sanften Einstieg in das Thema.

Für Apple-Server gibt es ebenfalls Virtualisierungslösungen. Die Firma Parallels etwa bietet eine Software an, mit der mehrere Instanzen der Mac-Betriebssysteme auf einem virtuellen Server laufen können. Seit OS X Leopard erlaubt Apple in seinen Lizenzbestimmungen die Virtualisierung auch offiziell. Wie bei anderen Softwareherstellern gilt die Bedingung, dass jedes einzelne Betriebssystem lizenziert ist, das auf einer virtuellen Basis läuft.
 

Virtuelle Desktops

Neben Severn lassen sich auch Desktop-Rechner virtualisieren – die Branche spricht von der Virtual Desktop Infrastructure (VDI). Ein Anbieter in diesem Bereich ist Kaviza mit dem Produkt VDI-in-a-box, weitere kommen von den oben genannten Firmen. Prinzipiell funktionieren die Lösungen gleich: Statt auf einem physischen Arbeitsplatzrechner werden Betriebssystem und Anwendungssoftware auf einer virtuellen Maschine installiert. Und die liegt nicht auf einem PC, sondern auf einem zentralen Server und ist somit von überall aus erreichbar. Bei Bedarf lässt sich die virtuelle Maschine über Datenleitungen auch vom Laptop aus abrufen. Eine spezielle Software sorgt hier dafür, dass die Anwender ihre jeweilige Arbeitsumgebung erhalten und auch nur auf diese zugreifen können. Ein weiterer Vorteil: Weil die virtuellen Computer gesammelt auf zentralen Servern abgelegt sind, können sie zentral administriert werden. Und bei einem Neukauf von Hardware müssen Administratoren die neuen Rechner nicht langwierig einrichten – dank der virtuellen Software können die Anwender gleich loslegen.

Bei aller Freude: Die Virtualisierung hat Grenzen. Nicht jede Virtualisierungslösung verträgt sich mit jeder Hard- und Software. Zudem ist die Administration gemischter Umgebungen recht aufwändig. Hinzu kommen Fragen der Lizenzierung.

 

Bis zu 80 Prozent mehr Serverauslastung

Thomas Kühlewein, Deutschland-Chef von VMware, über die Virtualisierung in KMU

kuehleweinHerr Kühlewein, welche Vorteile bringt die Virtualisierung kleinen und mittelständischen Firmen?

Die Virtualisierung erlaubt es, die Auslastung von Servern um 60 bis 80 Prozent zu verbessern. Selbst wenn ein Unternehmen nur zwei oder drei Server betreibt, ist das interessant. Ein weiterer wichtiger Punkt für KMU ist das Verbessern der Sicherheit. Bei einem Fehler zum Beispiel spielen Sie einfach die gesicherte Kopie der virtuellen Maschine samt aller Einstellungen auf den Server. Virtuelle Maschinen lassen sich aber auch nach außen hin gegen Gefahren abkapseln.

Was verspricht die Desktop-Virtualisierung?

Die Desktop-Virtualisierung ist nach dem Serverbereich die nächste große Welle. Was vorher verteilt auf den Desktop-Rechnern installiert war, ist dabei zentral auf einem Server abgelegt. Jeder Anwender hat Zugriff auf seine eigene virtuelle Arbeitsumgebung und kann sie stationär abrufen oder auch von unterwegs aus. Aus der Kostenperspektive attraktiv ist die zentrale Administration. Die IT-Leute müssen zum Beispiel nicht mehr jeden einzelnen Rechner mit Updates füttern, sondern können das zentral erledigen. Einer unserer Kunden hat gleichzeitig mit der Desktop-Virtualisierung Thin Clients eingeführt und spart jetzt zusätzlich auch Strom.

Was empfehlen Sie KMU?

Wenn KMU das Thema Virtualisierung angehen, ist es sinnvoll, es zu 100 Prozent umzusetzen. Das kann auch in KMU bis zu einer serviceorientierten Cloud Computing-Strategie führen, mit der die Prozesse und Kosten der IT besser im Blick sind.

Die Fragen stellte Dirk Schäfer.

aus "Creditreform – das Unternehmermagazin aus der Verlagsgruppe Handelsblatt", Autor: Dirk Schäfer



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