|
|
|
Startseite
Info-Center
Fachartikel & Checklisten
Unternehmensführung
Warum ältere Mitarbeiter unersetzlich sind
Warum ältere Mitarbeiter unersetzlich sind
Creditreform Unternehmermagazin
Neuss, 02.08.2010
Spätestens 2020 ist auf dem Arbeitsmarkt jede zweite Person älter als 50 Jahre.
Das muss keinesfalls von Nachteil sein – macht in vielen Betrieben aber Anpassungen nötig.
"Mehr ältere Arbeitnehmer und weniger Fachkräfte – diese zwei Entwicklungen beschäftigen uns sehr", sagt Frank Balkenhol, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Solingen. Denn das deutsche Zentrum der Schneidwarenherstellung verbindet Alterspyramide und Geburtenrückgang mit nachlassender Attraktivität des Wirtschaftsstandorts. "Verkleinerungen, Schließungen, Abwanderungen, weniger Neuansiedelungen könnten das Ergebnis sein", sorgt sich der Standortförderer.
Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen wären fatal: weniger Einwohner, geringere Kaufkraft, absackende Steuereinnahmen. Als Gegenmaßnahme schuf die kommunale Einrichtung eine Beratungsstelle für KMU, die diesen den rechten Weg in der Personalpolitik aufzeigen soll – Politik trifft Personalmanagement. Da weniger Junge nachkommen, so die Überlegung, sollten Unternehmer die Älteren länger in den Betrieben halten. Und wie kann sich ein Unternehmen das Wissen der Älteren sichern und an die Jüngeren weitergeben?
Was Ältere so wertvoll macht
Isabel Rothe, Präsidentin der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) in Dortmund, befürwortet die Solinger Initiative – allerdings würde sie den Hebel sogar noch früher ansetzen: Zuerst sollte etwas für ein besseres Image der Arbeitnehmer im fortgeschrittenen Alter getan werden. "Da gibt es viele Vorbehalte, die sich in den Köpfen von Führungskräften, Personalverantwortlichen und Unternehmensberatern verankert haben und Anstellungen und Einsätze von älteren Arbeitnehmern behindern."
Immer noch heiße es von Mitarbeitern jenseits der 50, sie seien lustlos, langsam, eingefahren, nicht auf der Höhe der Zeit, schneller in körperlicher und geistiger Hinsicht überfordert. Zudem würden sie, im Vergleich zu ihren jüngeren Kollegen, durch mehr Fehlzeiten und geringere Produktivität auffallen. Dazu kämen fehlende Kenntnisse bezogen auf berufliche Nachbardisziplinen und Fremdsprachen. Und in wirtschaftlicher sowie psychologischer Blickrichtung lauteten die Negativpunkte: hohe Gehälter, starres Kündigungsrecht,
Probleme mit jüngeren Vorgesetzten.
Doch inzwischen bestätigen gleich mehrere Untersuchungen, darunter eine sehr umfangreiche des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW): Ältere Beschäftigte sind deutlich besser als ihr Ruf. Zu den herausragenden Eigenschaften gehörten hohe soziale Kompetenz, Souveränität, Loyalität, Disziplin, Zuverlässigkeit und Diskretion. Sie seien weniger stressanfällig, verfügten über eine fundierte Erfahrung und zeichneten sich durch eine weit reichende Krisenbeständigkeit aus.
Diese Merkmale qualifizierten die über 50-Jährigen auch für Projektarbeiten an wechselnden Standorten im In- und Ausland, so der IW-Ergebnisbericht. Darüber hinaus könnten sie auf ein größeres Netzwerk – mehr berufliche Kontakte – zurückgreifen, was unter anderem in punkto Problemlösung einen Vorteile darstelle. Neue Aufgaben würden mit vertrauten Methoden rascher bewältigt, dies bedeute kürzere Einarbeitungszeiten. Auf körperliche und geistige Fitness werde durch sportliche Aktivitäten, gesunde Ernährung, allgemeines
Interesse und gezielte Weiterbildung geachtet – getreu dem Motto "In einem gesunden Körper lebt ein gesunder Geist." Hiervon zeuge auch die steigende Lebenserwartung. Und die Tatsache, dass die Gesundheit generell länger anhält und gravierende, gesundheitliche Einschnitte heute erst im Hochalter auftreten.
Weiterbildung ist der Schlüssel
Das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) stellt klar, dass Kreativität, Einstellung, Engagement, Lernbereitschaft und -fähigkeit keine Altersgrenze kennen – und auch Leistungsvermögen nicht wirklich. So werde der natürliche Leistungspotenzialabbau durch Erfahrung kompensiert, was unterm Strich nicht auffalle.
"Die gerontologische Forschung geht inzwischen weniger von einem Leistungsabbau aus, der in der Erwerbsphase bis zum regulären Renteneintritt stattfindet, sondern eher von einem Umbau der Leistungsfähigkeiten", sagt auch Dieter Berg, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch-Stiftung. Seine Einrichtung fördert Projekte der Altersforschung, zum Beispiel des Instituts für Gerontologie der Uni Heidelberg. Eine Studie des Hochschulinstituts beschäftigt sich mit der Lern- und Veränderungsfähigkeit
älterer Mitarbeiter. Denn wie auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) feststellt: "Lernfähigkeit und Weiterbildung sind für die dauerhafte Sicherung von Beschäftigungs- und Innovationsfähigkeit sowie Produktivität, für den Wirtschaftsstandort Deutschland entscheidende Größen, ausschlaggebend."
Inwieweit ältere Arbeitnehmer lernfähig sind, hängt gemäß den Heidelberger Forschern wesentlich davon ab, wie lernförderlich die meiste Zeit die bisherige Arbeit ausgerichtet war. Einseitige Tätigkeiten wirken hemmend, immer wieder neu zu bewältigende Herausforderungen sind fördernd. Für Berg machen die Ergebnisse der Analyse einmal mehr deutlich, dass in hiesigen Unternehmen die Weiterqualifizierung älterer Mitarbeiter, auch unter dem Gesichtspunkt "lebenslanges Lernen", vernachlässigt wird: "Offensichtlich
sind gravierende Unterschiede bei der Einstufung von Weiterbildung für den Unternehmenserfolg und beim Weiterbildungsangebot für Arbeitnehmer nach Alter", erklärt er. r.
Das Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) stellt fest, dass es für ältere Mitarbeiter seltener betriebliche Weiterbildungsangebote gibt: Nur in jedem zehnten Unternehmen sei eine zufrieden stellende Situation anzutreffen. Schon allein deshalb erstaunlich, weil es attraktive staatliche Fördermaßnahmen für Fortbildungen und Einstellungen von Arbeitnehmern im fortgeschrittenen Alter gibt. Vor allem KMU nehmen die öffentlichen Finanzhilfen häufig gar nicht in Anspruch.
Die Quittung hierfür kommt sicher, warnt das Nürnberger Institut, eine Einrichtung der Bundesagentur für Arbeit. Und zwar in Form von weniger Beschäftigten, was wiederum Marktchancen ungenutzt verstreichen lasse. Auch durch eine immer weiter klaffende Lücke zwischen ausgebildeten, jüngeren Fachkräften und nur unzureichend qualifizierten, älteren Mitarbeitern, die sich innerlich Richtung Ruhestand orientieren.
Letzteres bestätigt Axel Börsch-Supan, Direktor des Mannheimer Forschungsinstituts Ökonomie und Demographischer Wandel: "Viele der Altvorderen planen heute einen möglichst frühen Abgang aus ihrer Firma, um dann einen interessanten Gelegenheits- oder Nebenjob im Ruhe- oder Unruhestand anzunehmen." Die Beschäftigung verbessert das Renteneinkommen, allerdings sei dies oftmals nur ein angenehmer Beieffekt. Wichtiger wäre das Gefühl "noch gebraucht zu werden", kombiniert mit der Einsicht
"wer rastet, rostet und stirbt früher".ot;.
Eine Untersuchung der Commerzbank zeigt, wie wichtig die betriebliche Weiterbildung für die Motivation und das Halten von älteren Beschäftigten ist. Dabei kamen die Banker allerdings einem fast schon grotesken Widerspruch auf die Spur: Zwar fordern fast 80 Prozent der befragten Unternehmen einen Abschied vom Jugendkult und eine größere Bereitschaft, bis ins höhere Alter zu arbeiten und zu lernen. Doch 85 Prozent dieser Firmen reagieren auf alternde Gesellschaft und fehlenden Nachwuchs durch vermehrte Weiterbildung
ihrer jüngeren Mitarbeiter.
"Viele Unternehmen sind sich der konkreten Auswirkungen der demographischen Entwicklung auf ihren Betrieb noch nicht bewusst, auch deshalb nicht, weil ihnen die Altersstruktur ihrer Beschäftigten unbekannt ist", begründet Joachim Hafkesbrink, Geschäftsführer der Gesellschaft für Arbeits-, Reorganisations- und ökologische Wirtschaftsberatung. Er sollte es wissen, denn er führt Alterstrukturanalysen für Betriebe durch. Zudem bietet seine Firma im Internet einen kostenlosen, selbstdurchzuführenden
Demografie-Check insbesondere für KMU an. Sozusagen eine erste Bestandsaufnahme der demografischen, unternehmensinternen Situation, ergänzt mit Informationsmodulen, Expertenhinweisen und Praxisbeispielen.
aus "Creditreform – das Unternehmermagazin aus der
Verlagsgruppe Handelsblatt",
Autor: Gerd Zimmermann
|
|
Creditreform News
15.05.2012 - SchuldnerKlima-Index Deutschland mit 102,3 Punkten im Frühjahr 2012 auf stabil-positivem Niveau mehr
15.05.2012 - Aktuelle Analyse zur Wirtschaftslage im österreichischen Mittelstand mehr
24.04.2012 - CEG Creditreform Consumer GmbH firmiert um in Creditreform Boniversum GmbH und positioniert sich neu mehr
16.04.2012 - Aktuelle Analyse: Wirtschaftslage und Finanzierung im Mittelstand, Frühjahr 2012 mehr
23.03.2012 - Creditreform Beiträge zur Wirtschaftsforschung Nr. 15 mehr
|
|
| |
|
|
| |
Veranstaltungshinweise |
|
| |
|
|
| | 24.05., Düsseldorf - Professionelles Liquiditätsmanagement - Liquidität als wichtigste Steuerungsgröße mehr | | | | | |
| | 19.06., München - Risiko Kundeninsolvenz: Ihre Möglichkeiten als Gläubiger mehr | | | | | |
| | 19.06., Oberhausen - Creditreform energy & risk mehr | | | | | |
| | 21.06., Frankfurt am Main - Creditreform Compliance Forum mehr | | | | | |
| | 12.09., München - Effizientes Debitorenmanagement mehr | | | | | |
|