|
|
|
Startseite
Info-Center
Fachartikel & Checklisten
Unternehmensführung
Energieversorung hausgemacht
Energieversorgung hausgemacht
Creditreform Unternehmermagazin
Creditreform Magazin, 07.09.2011
Gebäude verbrauchen enorm viel Energie. Doch wer von Anfang an umwelt- und kostenbewusst baut, kann Ressourcen, Emissionen und letztlich bares Geld sparen.
Deutschland im Jahre 2022: Das letzte Atomkraftwerk ist abgeschaltet. 35 Prozent des Stroms werden aus Wind, Wasser und Sonne gewonnen - so haben es die Bundespolitiker beschlossen. Im rheinland-pfälzischen Wörrstadt gehören solche Ziele längst der Vergangenheit an.
Denn die knapp 8.000 Einwohner große Gemeinde vermittelt bereits heute, im Jahre 2011, einen Eindruck davon, wie Deutschland in Zukunft aussehen soll. Hier steht am Ortsrand, umgeben von Felder, einem Solarpark und Windrädern der Hauptsitz der Unternehmensgruppe Juwi. Der Projektentwickler von Windkraft-, Solar- und Biomasseanlagen lebt seit seiner Gründung 1996 die Vision einer rein regenerativen Energieversorgung und baute sich auf seinem Gelände eines der energieeffizientesten Bürogebäude der Welt.
Architektur und Ausstattung des Gebäudes wurden mit dem Ziel konzipiert, Energie möglicht wirksam einzusetzen oder ihren Einsatz gar nicht erst erforderlich zu machen. Und: Die Immobilie erzeugt mehr Strom, als sie verbraucht. Für die Lüftung, Beheizung und Kühlung des Firmensitzes hat Juwi ein Versorgungssystem entwickelt, das ausschließlich auf erneuerbare Energieträger zurückgreift. Auf den Dächern, an den Fassaden und auf den Carports sind Photovoltaikmodule angebracht, die sich in allen Größen und Formen in die Architektur einfügen und den kompletten Strombedarf des Gebäudes abdecken.
Auch der Energiehunger für Heizung, Kühlung und Warmwasser lässt sich vollständig regenerativ stillen - und zwar über eine eigens von Juwi entwickelte Energiekabine, in der sich eine Feuerungsanlage für Holzpelletts und eine solarthermischen Anlage befinden. Großflächige Dach- und Bürofenster, Glastüren und die Verarbeitung von hellem Holz sorgen dafür, dass hereinfallendes Tageslicht besonders viel Wirkung entfalten kann. Ein eigens installiertes Lichtsystem stellt sicher, dass auch bei weniger Tageslicht nur so viel künstliches Licht wie nötig ergänzt wird.
Gehirn des Firmensitzes ist eine komplexe Gebäudeleittechnik: Computer beobachten und steuern permanent die Leistung und den Verbrauch der einzelnen Geräte und Maschinen. Die nötigen Informationen liefern mehrere 10.000 Sensoren, die überall in den Büros verteilt sind.
Die Firma spart, wo sie kann: PCs wurden komplett durch sparsamere Laptops und Flachbildschirme ersetzt. Pro Gebäudekomplex gibt es nur einen Fahrstuhl. Das Fitness-Center kommt komplett ohne Stromversorgung aus. Kühlschränke oder Spülmaschinen sucht man in den Büroetagen vergeblich. Die Toiletten verbrauchen pro Spülgang lediglich einen Liter Wasser. Diese und viele weitere Maßnahmen haben dazu geführt, dass die Firma mehrfach ausgezeichnet wurde - unter anderem mit dem Deutschen Klimaschutzpreis 2008 der Deutschen Umwelthilfe und dem Clean Tech Media Award 2009.
Nachhaltiges Büro wird Standard
So beeindruckend die Büros der Juwi AG auch sind: Sie sind längst nicht mehr allein. Auf breiter Front sind nachhaltige Gebäude auf dem Vormarsch. So produziert das umgebaute Reichstagsgebäude in Berlin längst seine eigene Energie. Auch der Besitzer des Empire State Buildings investierte 20 Millionen Dollar, um dessen Fenster auszutauschen, die Heizungen zu erneuern und die Isolation zu verbessern. Die Deutsche Bank hat ihre Zentrale in Frankfurt saniert und nennt ihre zwei Türme seither Greentowers. Und auch in "Creditreform" wurden grüne Gebäude schon häufig vorgestellt, zumeist als Investitionsobjekte in unserer Vermögen-Rubrik. Waren grüne Gebäude vor einigen Jahren höchstens im privaten Haus- und Wohnungsbau ein Thema, beschäftigen sich inzwischen immer mehr Unternehmen mit der Möglichkeit, Bürokomplexe von vornherein energieeffizient zu bauen oder alte Gebäude zu sanieren. Kein Wunder, entfallen doch fast 40 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs in der EU die Bewirtschaftung von Gebäuden.
Architekten und Umweltverbände definieren grüne Gebäude als Immobilien, die eine erhöhte Ressourceneffizienz für den Verbrauch von Energie, Wasser und Baumaterial aufweisen, wenig Abfall produzieren und die schädlichen Auswirkungen auf Umwelt und die Gesundheit der Angestellten reduzieren. Eine feste Vorschrift oder einheitliche Zertifizierung für den Bau von grünen Gebäuden oder die Sanierung von Altbauten gibt es in Deutschland aber bisher nicht. Australien und die USA sind ein paar Schritte weiter. Dort haben sich Zertifikate durchgesetzt, die Standards für Nachhaltigkeit und Energieeffizienz definieren. Internationale Großkonzerne wie Siemens und die Citibank richten sich bei ihren Neubauprojekten bereits nach dem US-amerikanischen "Leed"-Standard ("Leadership in Energy and Environmental Design").
Eine ähnlich strenge Zertifizierung wird sich - glaubt man Politikexperten und Umweltverbänden - auch in Europa durchsetzen. Im Mai 2010 hat das Europäische Parlament eine neue EU-Gebäuderichtlinie verabschiedet. Sie soll maßgeblich dazu beitragen, den Energiebedarf der EU-Staaten und den Umfang ihrer CO2-Emissionen weiter zu senken, sowie ihre Abhängigkeit von Energieimporten zu reduzieren. Die verschärfte Richtlinie zur Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden schreibt vor, dass alle neuen Gebäude in der EU vom Jahr 2020 an auf dem Niveau von Null-Energie-Häusern gebaut werden müssen. Das bedeutet, dass diese Gebäude im Jahresdurchschnitt keine externe Energieträger wie Gas oder Öl mehr verbrauchen.
Die nötigen technischen Lösungen hierfür hält der Markt längst bereit, seien es Wärmedämmfassaden, hochisolierende Verglasungen oder Heiz- und Kühlsysteme, die ihre Energie aus Sonnenlicht, Erdwärme oder Biomasse beziehen. Auch die Stromerzeugung mittels Solarzellen wird für Unternehmer immer attraktiver.
In fünf Jahren amortisiert
Ein frühzeitiges Umrüsten lohnt sich, um sich einen Wettbewerbsvorteil zu sichern. Ein beliebtes Argument gegen energieeffizientes Bauen sind immer noch die Kosten. Tatsächlich ist der Bau eines grünen Gebäudes teurer als herkömmliches Bauen. Als grobe Faustregel gilt: Je größer die Einsparung, desto größer auch erst einmal die Baukosten. Grüne Gebäude sind in der Regel Individuallösungen, die aufwändiger und somit kostenintensiver entwickelt werden müssen. Zudem sind ökologische Baustoffe meist teuerer als herkömmliche Materialien. Dennoch werden die Kosten für grünes Bauen überschätzt. Sie liegen - wie Vergleiche von Kreditinstituten und Architektenverbänden belegen - im Durchschnitt nur fünf Prozent über den Kosten für traditionelle Lösungen.
Die US-Investmentgruppe Good Energies hat nach Analyse von 150 nachhaltigen Gebäuden eine durchschnittliche Amortisationsdauer von fünf Jahren für grüne Gebäude berechnet. Der Energieverbrauch sank durchschnittlich um ein Drittel.
Extreme Effizienzwunder wie der Juwi-Firmensitz werden aber dennoch die Ausnahme bleiben. Die Wörrstädter liegen mit ihrem Gebäude schon jetzt weit über dem, was die EU für die Zukunft fordert. Diese Vorreiter-Rolle ist der Firma wichtig, schließlich machen regenerative Energien ihr Kerngeschäft aus. Und so tüfteln die Projektentwickler fleißig weiter und überlegen sogar laut: Müsste sich nicht die Bewegungsenergie der Mitarbeiter im firmeneigenen Fitnessstudio auch zur Stromerzeugung nutzen lassen?
Autor: Anne-Kathrin Keller
Link-Service
Anlaufstellen für grünes Bauen
Wer sich einen Überblick über das Thema grünes Bauen und die ökologische Qualität von Baustoffen verschaffen möchte, dem bieten verschiedene Internetportale und Online-Datenbanken umfangreiche Recherchemöglichkeiten:
- Das Informationsportal Nachhaltiges Bauen vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung liefert breit gefächert Informationen: www.nachhaltigesbauen.de
- Das Portal Greenbuilding Products hat für Bauherren eine umfangreiche Datenbank zu ökologischen und zertifizierten Baustoffen erstellt: www.greenbuildingproducts.eu
- Informationsseite der Europäischen Kommission zu gewerblichen grünen Gebäuden: www.eu-greenbuilding.org
- Die deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen fördert und informiert über Zertifizierung grüner Gebäude: www.dgnb.de
|
|
Creditreform News
15.05.2012 - SchuldnerKlima-Index Deutschland mit 102,3 Punkten im Frühjahr 2012 auf stabil-positivem Niveau mehr
15.05.2012 - Aktuelle Analyse zur Wirtschaftslage im österreichischen Mittelstand mehr
24.04.2012 - CEG Creditreform Consumer GmbH firmiert um in Creditreform Boniversum GmbH und positioniert sich neu mehr
16.04.2012 - Aktuelle Analyse: Wirtschaftslage und Finanzierung im Mittelstand, Frühjahr 2012 mehr
23.03.2012 - Creditreform Beiträge zur Wirtschaftsforschung Nr. 15 mehr
|
|
| |
|
|
| |
Veranstaltungshinweise |
|
| |
|
|
| | 24.05., Düsseldorf - Professionelles Liquiditätsmanagement - Liquidität als wichtigste Steuerungsgröße mehr | | | | | |
| | 19.06., München - Risiko Kundeninsolvenz: Ihre Möglichkeiten als Gläubiger mehr | | | | | |
| | 19.06., Oberhausen - Creditreform energy & risk mehr | | | | | |
| | 21.06., Frankfurt am Main - Creditreform Compliance Forum mehr | | | | | |
| | 12.09., München - Effizientes Debitorenmanagement mehr | | | | | |
|