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Sonnenenergie für KMU
Sonnenenergie für KMU
Creditreform Unternehmermagazin
Creditreform Magazin, 08.12.2011
Die Sorge um weiter steigende Strompreise und -engpässe lässt inzwischen auch kleinere Firmen zu Solarzellen greifen. Image-Gag oder sinnvolle Investition?
Ein mittelständisches Unternehmen, das mit einer Solaranlage "verantwortungsvolles gesellschaftliches Engagement und nachhaltiges Wirtschaften" unterstreicht? Laut Deutschem Industrie- und Handelskammertag inzwischen keine Seltenheit mehr: Gerade KMU demonstrieren durch die Nutzung regenerativer Energiequellen ihr Umwelt- und Klimabewusstsein. Besonders gern mit einer Solaranlage auf dem Dach – auch deshalb, weil sie für jedermann sichtbar ist.
Prominentes Beispiel ist die Mast-Jägermeister AG: Seit September 2010 versorgen 6.200 Solarmodule den Magenbitterhersteller mit rund 1,3 Millionen Kilowattstunden Sonnenstrom – genug, um gut ein Viertel von dessen Strombedarf zu decken. Für das Projekt verantwortlich war die Goldbeck Solar, die Module kamen von den Firmen Solarnova und Schott Solar. "Mit den regenerativen Energiequellen werden jährlich 1.400 Tonnen CO2-Ausstoß vermieden", schwärmt der oberste Jägermeister, Paolo Dell' Antonio.
Kein Wunder, dass bei steigender Nachfrage Anbieter wie die Baugruppe Goldbeck ihre Solar-Sparten ausgebauen. Sei es für Bürogebäude, Produktions- oder Lagerhalle oder für Gewerbebauten mit Flachdach – für nahezu jeden Kundenwunsch werden spezielle Solaranlagen angeboten, von der ersten Planung über die Montage bis zur Betreuung. "Unsere Unterkonstruktion hat nur wenige, definierte Kraftübertragungspunkte", wirbt Geschäftsführer Jan-Hendrik Goldbeck für das eigene Verfahren. Es träten keine flächigen Lasten auf, welche die Dachhaut oder Dämmung gefährden könnten. Deshalb bliebe die Dachfläche für Wartung und Instandhaltung überall einsichtig und zugänglich. Die Technik eigne sich auch für ältere Geschäftsbauwerke, wobei da manchmal die Statik verbessert werden müsse.
Apropos Verbesserung: Geht es nach Schott Solar, so ist in der Photovoltaik dank etlicher Verbesserungen das Ende der Fahnenstange längst nicht erreicht. Dabei wird unter anderem auf Silicium verwiesen, das meistverwendete anorganische Halbleitermaterial. Hervorzuheben seien die monokristallinen Solarzellen, das Silicium besteht aus einem einzigen homogenen Kristall. Damit lässt sich aus dem Sonnenlicht mehr Energie gewinnen als mit Zellen mit uneinheitlicher Kristallstruktur – für Experten sind das polykristalline Zellstrukturen. Bei Dünnschichtmodulen handelt es sich um Glasplatten, auf denen hauchdünn Silicium aufgetragen wurde. "Im Vergleich zu kristallinen Modulen wandeln sie selbst schwaches und diffuses Licht besser in Strom um," findet Martin Kirsch, Direktor des Hotels Linslerhof in Überherrn. Zudem bleibe die Stromausbeute an heißen Sommertagen konstant und nehme selbst mit zunehmender Außentemperatur nicht ab.
Welche Module?
Kirsch muss es wissen, schließlich haben seine Chefin, Brigitte von Boch, und er die Vor- und Nachteile der einzelnen Systeme genauestens verglichen. Der Nachteil der Dünnschichtmodule – um auf einen akzeptablen Wirkungsgrad zu kommen, empfehlen sich große Dachflächen – störte die Gastronomen nicht. Denn zum Hotel gehören diverse separate Bauten für Gourmetrestaurant, Jagdschule, Falknerei, Pferdestallungen und Reithallen, etliche wurden mit dem neuen Wundermaterial ebenfalls neu überdacht. Seither hat das Hotel auch immer wieder Gäste, die sich vor Ort informieren möchten.
Geht es nach den Ingenieuren bei Schott Solar, so haben monokristalline Solarzellen und Dünnschichtmodule gleichermaßen eine gute Zukunft. Zumal bei den Mono-Modulen dem Unternehmen eine "Rekord-Zelltechnologie" gelang: die weltweit ersten Sechs-Zoll-Solarzellen mit 20,2 Prozent Wirkungsgrad. Derzeit liegt das Niveau zwischen 16 und knapp 19 Prozent. "Die Markteinführung erfolgt im zweiten Quartal 2012", verspricht Stefan Hergott, Leiter Produktmanagement. "Keinesfalls abschreiben" solle man aber polykristalline Solarmodule, so sein Rat. Zum einen sind sie kostengünstiger, zum anderen konnte deren Energieeffizienz schon bis maximal 18,2 Prozent hochgeschraubt werden.
Doch auch bei der Verbindung mit dem Dach bestehen Unterschiede. Neben den aufmontierten Konstruktionen gibt es Dünnschicht- und Solarmodule, welche die Dachziegel ersetzen. Diese Verschmelzung ist bei einem Bürokomplex im Gewerbegebiet von Merkendorf in Franken weithin gut auszumachen. Dessen Solarmodule sind über dem Grundrahmen direkt mit den Dachlatten verschraubt und machen somit auf der gesamten Dachfläche die klassischen Ziegel überflüssig. "Die Solaranlage vereint Wirtschaftlichkeit, Schutz vor Witterungseinflüssen und Ästhetik", befindet Jörg Truelsen, Vorstand des Anlagenbetreibers Payom Solar. Seiner Meinung nach eignen sich die anthrazitblauen Stromproduzenten besonders für Neubauten und Dachsanierungen.
Wer bei einer Dachmodernisierung jedoch meint, dass er durch die Doppelfunktion Kosten spart – immerhin braucht das Dach nicht zuerst gedeckt und dann mit Solarmodulen obendrauf ausgestattet zu werden – liegt leider nicht ganz richtig. Zwar verringert sich durch die direkte Montage die Arbeitszeit der Handwerker, doch die heutigen Systeme an sich sind noch teuer. Wie kostspielig genau, hängt von der Qualität ab. Über das Qualitätsniveau informieren Gutachten über die Witterungsbeständigkeit, Zertifizierungen für Dachbebauungen und die Dauer der Leistungsgarantie – mindestens 20 Jahre sollten es sein. Allgemein kann gesagt werden, dass eine hohe Qualität eine höhere und länger gleichbleibende Stromlieferung mit sich bringt – wodurch sich die Anfangsinvestition schneller amortisiert.
Heftiger Preiskampf
Doch es gibt gute Nachrichent für Bauherren oder Modernisierer von Gewerbeimmobilien: Die Preise fallen, vor allem durch Überkapazitäten und Billigangebote aus China. Dadurch verschärfte sich auch der Konkurrenzkampf unter den Solarfirmen. Die deutschen Hersteller Q-Cells und SMA Solar mussten sich bereits eine Schlankheitskur verordnen. Dagegen trumpft Solarworld mit einer Vorwärtsstrategie auf: Im arabischen Emirat Katar entsteht ein Siliziumwerk, das den Rohstoffnachschub sichern und die Kosten für Solarstrom senken soll. Mitbewerber MHH Solartechnik setzt derweil auf verbesserte Technik und verspricht eine geringe Leistungstoleranz der Photovoltaikanlagen: maximal fünf Prozent. Neues Terrain betritt Azur Solar mit dem Geschäftsmodell "Independa" für Kleinfirmen. Angepeilt ist die Selbstversorgung mit Solarstrom direkt vom Dach oder aus einer Batterie, in der überschüssige Solarenergie gespeichert ist. Nur wenn der Sonnenschein zu wünschen übrig lässt und der Akku leer ist, muss das öffentliche Energienetz angezapft werden.
Trotz der angespannten Marktlage strömen neue Anbieter in die Branche. Denn ein EU-Ziel lautet: Bis 2020 soll der Anteil der erneuerbaren Energien auf 20 Prozent steigen. Zu den neuen Mitspielern gehören Siemens, Bosch und der Werkzeugmaschinenhersteller
Gildemeister. Für einen ganz neuen Lichtblick, den gesamten Markt betreffend, sorgt Arved Hübler, Professor an der TU Chemnitz. Er fand einen Weg, auf Rollenbahnen Solarmodule aufzudrucken. Die Installation in luftiger Höhe wäre einfach, günstig und schnell, auch weil es von vornherein keine Gewichtsprobleme gebe. Allerdings liege der Wirkungsgrad nur bei rund zwei Prozent. Doch das würde nicht lange so bleiben, ist der Wissenschaftler überzeugt – schließlich stehe die Entwicklung erst am Anfang.
Autor: Gerd Zimmermann
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